ECC Club Studie zum Thema neue Mobilität

Neue Mobilität auf der Überholspur!

Wie MaaS-Konzepte unser Leben verändern

Die Sharing-Mobilitätsangebote werden sich einen festen Platz im zukünftigen Mobilitäts-Mix erobern. Angesichts der Auswirkungen von Corona gehen wir allerdings davon aus, dass sich die Entwicklung der Sharing-Angebote etwas verzögern wird.

Auszug aus der Studie (Seite 25) von unserem Experten Ansgar Künne,
Director Solution Design – Automotive, Banks, Insurance bei Arvato Supply Chain Solutions

Neue Mobilitätskonzepte stehen seit einiger Zeit hoch im Kurs. Scooter und Leihräder prägen unser Straßenbild, Roller und Ride-Sharing-Fahrzeuge bevölkern unsere Straßen. Das IFH KÖLN hat genau hingeschaut. Wir haben in die Großstädte und Metropolen in Deutschland, aber auch in den Niederlanden und den USA geschaut und die Menschen befragt.

Wie sehen ihr Nutzungsverhalten und ihre Motivlage aus?
Wird der Scooter zum Spaß in der Freizeit genutzt oder zur Abdeckung der letzten Meile im täglichen Verkehr?
Und: Wie viele Anbieter nutzt ein Stadtbewohner eigentlich?

Das Rennen um den mobilen Kunden ist bislang offen. Sharing-Anbieter und MaaS-Plattformen kämpfen um den besten Zugang. Lokale Platzhirsche etablieren sich, Super-Apps dominieren ganze Kontinente. Aber vielerorts ist die Wettbewerbslandschaft ein reiner Flickenteppich.

Die Frage nach den Wachstumsfeldern für Sharing-Anbieter stellt sich. Bieten Payment und Lieferung Perspektiven? Und schließlich: Was bedeutet das für den Handel? Weil Handel immer Wandel ist, liegen in den neuen Spielregeln der Mobilität auch Chancen für einen zukunftsorientierten Retail.

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Komplettes Experten-Interview mit Ansgar Künne, Director Solution Design - Automotive, Banks, Insurance bei Arvato Supply Chain Solutions

1. Welche Bedeutung werden Sharing-Angebote im Bereich Mobilität (z.B. Car-Sharing, Ride-Hailing/Ride-Pooling, Bike-/Scooter-Sharing) in den nächsten 3 Jahren, in den nächsten 10 Jahren haben? Welche Folgen ergeben sich dadurch für etablierte Mobilitätsformen (z.B. Fahrzeugbesitz, Nutzung ÖPNV)?

Die Sharing-Mobilitätsangebote werden sich einen festen Platz im zukünftigen Mobilitäts-Mix erobern. Angesichts der Auswirkungen von Corona gehen wir allerdings davon aus, dass sich die Entwicklung der Sharing-Angebote etwas verzögern wird. Wie sich die verschiedenen neuen Angeboten zueinander entwickeln werden und zulasten welcher bisherigen Mobilitätsform sie primär gehen werden, wird regional sehr unterschiedlich sein. Ihr Anteil wird aber sicher in urbanen Regionen höher sein, als in ländlichen Regionen, in denen weiterhin vor allem der Individualverkehr und der Fahrzeugbesitz dominieren werden.

2. Welche Bedeutung werden MaaS-Mobilitätsplattformen haben, die verschiedene Mobilitätsangebote (vom Pkw bis hin zum Scooter) auf einer Plattform bündeln, – in den nächsten 3 Jahren, in den nächsten 10 Jahren? Was sind die Gründe hierfür?

In den nächsten 2, 3 Jahren werden Plattformen für multimodales Reisen in der Fläche noch keine allzu große Rolle spielen. Zum einen weil einige der angebotenen Mobilitätsformen selber noch zu neu und wenig etabliert sind und zum anderen weil die Verknüpfung der Angebote, vor allem mit den etablierten Fortbewegungsmitteln, insbesondere hinsichtlich der Abrechnung und Tarifierung ein sehr komplexes Unterfangen darstellt. Der Nutzen dieser Plattformen wird eher darin bestehen, die möglichen Optionen und Verfügbarkeiten der einzelnen Verkehrsmittel für die geplante Reise anzuzeigen, als darin alle Verkehrsmittel der Reise in einer Buchung und einem Bezahlvorgang zusammenzuführen.

3. Wer ist in der Pole Position für die Mobilitätsplattform der Zukunft? (Fahrzeughersteller, etablierte Digitalunternehmen, Kommunen, Start Ups)? Und warum?

Das Rennen ist hier noch offen. Sicher haben die großen Digitalunternehmen aufgrund ihrer Nutzerzahlen und bereits bestehenden Angeboten einen großen Startvorteil. Was wir aber auch sehen ist, dass etablierte Fahrzeughersteller nach einem anfänglich langsamen Start aufholen und ihren eigenen Anspruch, sich von einem Hersteller zu einem Mobilitätsanbieter zu entwickeln, immer ernster nehmen. Beispiele hierfür sind die Ausweitung der Mietangebote, die Einführung von neuen Abo-Modellen und die Einführung von Peer-to-Peer Verleihoptionen. Gleichzeitig steht ihnen natürlich die eigene "Markenbindung" und die Fokussierung auf den Individualverkehr im Wege.

Auf regionaler Ebene sehen wir Start-Ups zusammen mit den Kommunen grundsätzlich in der besten Ausgangssituation, integrierte Mobilitätsangebote zu schaffen. Dies liegt vor allen daran, dass der ÖPNV als wichtigster Baustein in einem solchen Mobilitätsangebot, hier am besten mit eingebunden werden kann.

4. In welchem Umfang können Mobilitätsplattformen gedacht werden, welche Services und Angebote könnten hier für Endkunden und Unternehmen gewinnbringend implementiert werden?

Der Phantasie sind hier keine Grenzen gesetzt. Ein naheliegender Ansatz besteht sicher darin, Nutzern für ihre Reise maßgeschneiderte Mehrwertangebote zu offerieren. Diese könnten zum Beispiel bei längeren Reisen darin bestehen, für besondere Unterhaltungsangebote für Hörbücher, Filme oder andere Medienangebote zu offerieren. Ebenso könnten Vergünstigungen für Hotels, Veranstaltungen oder lokale Geschäfte angeboten werden.

Ein anderer Ansatz besteht darin, Mobilitätsplattformen als Marktplatz so offen zu gestalten, dass man auch eigene Mobilitätsangebote mit einbringen kann. Beispielsweise indem man ein eigenes Fahrzeug oder Transportkapazitäten z.B. für einen bestimmten Zeitraum und für bestimmte Nutzergruppen mit einbringen kann.

In Summe können Mobilitätsplattformen damit zu einem sehr zentralen und vielgenutzten Instrument im täglichen Leben sehr vieler Nutzer werden. Sie bieten damit enormes Potential für zusätzliche Services und Use Cases die wir heute zum Teil noch gar nicht absehen können.

5. Werden sich eher Insellösungen der Mobilität (Sharing/Plattformen für einzelne Städte/Regionen) durchsetzen oder eher landesweite bzw. auch länderübergreifende Lösungen?

Wie die vielen Beispiele in einzelnen Städten und Regionen zeigen, lassen sich integrierte und gut verzahnte Mobilitätsangebote derzeit am besten auf regionaler Ebene realisieren, da so die Anzahl der Partner und damit die Komplexität beherrschbar bleibt und der unmittelbare Nutzen am größten ist. Über lang oder kurz werden sich diese Angebote aber verzahnen, so dass auch landesweite Angebote entstehen werden.

6. Welche Angebotsformate haben für die Nutzung neuer Mobilität die höchste Kundenattraktivität (z.B. Minuten-/Stundenpakete, Abo-Modelle, Pre-Paid/Wallets)?

Zunächst werden wohl am ehesten Strecken- oder Zeit-basierte Tarife die höchste Akzeptanz finden. Diese erlauben ein flexibles Erproben der Angebote und entsprechen auch am ehesten den gewohnten Bezahlmodellen. Allerdings rechnen wir damit, dass langfristig Abo-Modell stark an Bedeutung gewinnen und "Mobilitäts-Flatrates" - in Analogie zur Datenflatrate beim Handy - eine hohe Attraktivität haben werden.

7. Pushen neue Mobilitätsangebote nachhaltig das kontaktlose/mobile Bezahlen?

Ja. Neben der durch Corona ausgelösten Entwicklung hin zu kontaktlosem Bezahlen, wird das mobile Bezahlen für Mobilitätsleistungen ein weiterer Treiber sein.

8. Welche Ansatzpunkte bieten sich für den Handel, um neue Mobilitätsangebote für seine Kunden zu nutzen (z.B. Buchungsterminals im Laden, fester Haltepunkt für Car-Pooling-Fahrten, Ladestationen)? Gibt es bestimmte Handelsbranchen, in denen Mobilitätslösungen eine besondere Relevanz haben?

In nächster Zeit spielt vor allem die Bereitstellung von Ladestationen für Elektrofahrzeuge eine große Rolle, um die Attraktivität von Lokationen zu erhöhen erzeugen und die Verweildauer in den jeweiligen Geschäften zu erhöhen. Gleichzeitig könnten diese Angebote verknüpft werden mit dedizierten Stellflächen für Sharing-Fahrzeuge o.ä. Gerade in Ballungsräumen wären aber auch Modelle denkbar, in denen anstelle von kostenlosen Parkplätzen zukünftig "Credits" auf das "Meilenkonto" des Nutzers einer Mobilitätsplattform gezahlt werden und so auch Anreize für die Nutzung alternativer Verkehrsmittel geschaffen werden.

9. Welche Bedeutung werden im Zusammenhang mit neuer Mobilität KI-getriebene Angebote für den Endkunden spielen und wo gibt es Ansatzpunkte für entsprechende Dienstleister?

KI getriebene Angebote werden zum einen sehr stark in der Kundenkommunikation eingesetzt werden und immer mehr an Bedeutung gewinnen. Weiterhin werden KI getriebene Angebote die Serviceerfahrung optimieren. Das wird an verschiedenen Stellen zu spüren sein: Bessere Verfügbarkeit der Mobilitätsangebote zur richtigen Zeit an der richtigen Stelle, Optimierung von Routen, automatisiertes Fahren sowie Identifikation und Abwicklung von Schadensfällen.

Sie haben noch Fragen? Wenden Sie sich gerne an uns!

Michael Schröder

Michael Schröder

Business Development Manager