Gelebte Vielfalt bei Arvato

Eine diverse Belegschaft besteht nicht nur aus unterschiedlichen Nationalitäten, Altersgruppen und Geschlechtern, sondern auch aus Mitarbeitern mit und ohne körperliche Einschränkungen. Damit auch Menschen mit Handicap das Unternehmen mit ihrem Know-how und ihrer Kreativität bereichern können, setzt Arvato Supply Chain Solutions konsequent auf Gleichberechtigung, Eingliederung, optimale Arbeitsplatzgestaltung und Förderung unserer Mitarbeiter. Wie das in der Praxis umgesetzt wird und welche Herausforderungen es dabei gibt, berichten die beiden gehörlosen Kollegen Joseph Chua und Thomas Roßberg.

Seit wann und in welcher Funktion arbeitet Ihr bei Arvato?

Thomas: Ich war bereits 2007 im Praktikum dabei und habe dann als Werkstudent meine Bachelorarbeit zum Thema Testautomatisierung geschrieben, bevor ich dann 2008 als Mitarbeiter für die Software Qualitätssicherung (QA) eingestellt wurde.

 

Joseph: Ich bin 2019 als Expert Software Development bei Arvato eingestiegen. In dieser Funktion übernehme ich auch den Support für den QA-Bereich und muss sowohl mit meinem Team als auch mit meinem Kunden kommunizieren – im Büro und direkt vor Ort. Dabei arbeite ich häufig mit Thomas zusammen und unterstütze ihn mit meinem Know-how.

Thomas: Genau, wir arbeiten schon seit geraumer Zeit beide in einem größeren agilen Team nach der SCRUM-Methode zusammen. Und da ich mich auf das Testen fokussiere, kann ich die Unterstützung von Joseph vor allem bei größeren Projekten sehr gut brauchen.

 

Wie seid ihr zu Arvato Supply Chain Solutions gekommen?

Thomas: Um den Praktikumsplatz zu bekommen, habe ich damals ganz klassisch eine Bewerbung geschrieben und konnte meine QA Kenntnisse sofort in einem kleinen Team einbringen. Da die Zusammenarbeit mit den Kollegen sehr gut funktioniert hat, ist man dann auf mich zugekommen und hat mich übernommen.

 

Joseph: Ich habe lange als Freelancer für unterschiedliche Firmen in Deutschland gearbeitet und war dann auf der Suche nach einer Festanstellung in Hamburg, die mir eine gewisse Sicherheit und den Raum für Entwicklung gibt.

Ich wollte immer in einer großen Firma in einem internationalen Team arbeiten und bin dabei auf Arvato Supply Chain Solutions gestoßen und habe mich erfolgreich beworben, ohne zu wissen, dass mit Thomas hier schon ein anderer Gehörloser seit gefühlt einer Ewigkeit arbeitet. Das war eine schöne Überraschung.

 

Könnt ihr Euch noch an eure Vorstellungsgespräche erinnern?

Thomas: Ich habe damals mit jemanden von der Geschäftsleitung gesprochen. Und da kein Gebärdensprachdolmetscher dabei war, haben wir überwiegend schriftlich kommuniziert. Nachdem ich dann eingestellt wurde, stellte sich die Frage, wie wir künftig mit größeren Meetings umgehen, die bei Arvato ja relativ häufig stattfinden. Da kam mir die Idee, es mit Dolmetscher zu versuchen, auch wenn damals noch nicht klar war, wie es finanziert werden könnte. Also haben wir erstmal ausprobiert, erste Erfahrungen gesammelt und ein entsprechendes Budget beantragt. Seitdem das bewilligt wurde, arbeiten wir fest mit Dolmetschern zusammen – dabei gibt es keine finanziellen Limitierungen, denn Arvato ist bereit, uns vollumfänglich bei unserer täglichen Arbeit (Integration und Kommunikation) zu unterstützen.

Joseph: Ich habe vor dem Gespräch sogar eine Mail bekommen, ob das Unternehmen sich um einen Dolmetscher kümmern soll. Ich hatte bis dahin alle meine Jobinterviews ohne Dolmetscher mit meinem Speech-to-Text Tool gemacht. Es war für mich total interessant, dass ich hier zum Bewerbungsgespräch kam und dann saßen da auf einmal zwei Dolmetscher. Und ich bin hier rein in die Firma und war direkt begeistert, Thomas anzutreffen. Das war super! Ich hatte einen angenehmen Einstieg.

 

Wie genau funktioniert der Austausch zu Arbeitsthemen?

Joseph: Wir organisieren uns im Team, so dass die Arbeit unter uns aufgeteilt wird. Also nimmt jeder in Grunde genommen sein Ticket und arbeitet das dann selbstständig ab. Wenn ich dabei nicht weiterkomme oder Fragen habe, spreche ich im Chat einzelne Teammitglieder an und frage sie, ob sie mir weiterhelfen können. Dann setzen wir uns entweder virtuell oder vor Ort zusammen und schauen, wie wir das Problem lösen können. Das funktioniert sehr gut mit Verschriftlichungen bzw. mit dem Mikrofon. So kann ich meine Sachen einwandfrei erledigen und lerne ständig etwas Neues dazu. Das gilt übrigens auch für meine Kollegen, da der Austausch natürlich in beide Richtungen funktioniert.

 

Welche technischen Hilfsmittel benötigt Ihr am Arbeitsplatz?

Thomas: Es ist ganz klar, dass die (Video-)Technik für uns eine sehr große Rolle spielt. Aber nachdem wir mal einen Fern-Dolmetsch-Service in Meetings ausprobiert haben, war schnell klar, dass ein Live-Dolmetscher bislang noch nicht zu ersetzen ist. Denn die Technik ist noch nicht richtig ausgereift und auch die Kamera hat nicht einwandfrei funktioniert. Das hat mir auch eine Person aus den USA bestätigt, bei der diese Lösung bereits zum Einsatz kam. Darüber hinaus sind auch die unterschiedlichen Sprachen eine Herausforderung, da in unseren Meetings auch Englisch oder ein Mischmasch aus Deutsch und Englisch gesprochen wird. Da kommt die Technik schnell an ihre Grenzen.

 

Mit welchen Herausforderungen werdet Ihr bei der Arbeit konfrontiert?

Thomas: Wir haben da ab und an schon mal Sachprobleme, mit denen wir uns auseinandersetzen müssen. Zum Beispiel das Thema Brandschutz und die Feuer-Alarmanlage. Es hat schon ein wenig gedauert, bis wir hier eine technische Lösung gefunden haben, die nun umgesetzt werden soll.

Joseph: Im Moment sind wir zwar schon noch darauf angewiesen, dass uns die Kollegen Bescheid sagen. Aber wir haben eine Brandmeldeanlage angedacht, die an die Brandschutzanlage des Standorts gekoppelt ist und wie ein Pieper funktioniert. Sobald der Alarm ausgelöst wird, vibriert er in meiner Hosentasche. So bekomme ich den Alarm auch dann mit, wenn ich mich ganz alleine in einem Raum aufhalte.

 

Gibt es auch Vorteile?

Thomas: Wir haben auf jeden Fall einen visuellen Vorteil. Da wir nicht auf dem auditiven Kanal unterwegs sind, sehen wir besser als Hörende und können deshalb schneller reagieren. Dein Sichtfeld verstärkt sich ja bereits, wenn Du mit einem Kopfhörer unterwegs bist und die ganzen Umweltgeräusche nicht mitbekommst. Da wir diesen Kanal so extrem nutzen, sind wir den Hörenden visuell einfach voraus.

 

Wie läuft die generelle Zusammenarbeit mit dem Team?

Joseph: Die läuft sehr gut und ist auch ganz einfach, da wir den Chat in Microsoft Teams zur Kommunikation in den Arbeitsgruppen nutzen.

Thomas: Darüber hinaus haben wir das große Glück, dass unser Team uns super entgegenkommt und ein bisschen Gebärdensprache gelernt hat, seitdem wir zu zweit sind. Wenn wir morgens ins Büro kommen, können wir einfach „Guten Morgen“ gebärden und die Kollegen antworten in Gebärdensprache darauf. Und wenn es dann etwas Wichtiges zu besprechen gibt, setze ich mich an den Chat oder nutze mein Textprogramm, so dass jeder via Mikrofon Deutsch oder Englisch mit mir sprechen kann.

 

Einige Teammitglieder können also Gebärdensprache?

Joseph: Ja genau. Auch wenn es für die meisten Kollegen total neu war, sich damit auseinanderzusetzen, geben sie ihr bestes und lernen kontinuierlich dazu. Schließlich ist das Reden mit dem Gesicht und den Fingern reine Übungssache. Deshalb necken wir unsere Kollegen auch ganz gerne und machen auch mal Witze – das hilft ihnen, ständig mit der Gebärdensprache in Übung zu bleiben. Alles in allem klappt das sehr gut und macht das Miteinander sehr viel unkomplizierter.

Thomas (Mitte) und Joseph (oben rechts) in der Konferenz mit ihren Kollegen