24. Januar 2020 Pressemitteilungen

Fahrerloses Transportsystem am Standort in Harsewinkel implementiert

v.l.: Klaus Ochs, Haustechnik; Matthias Anderson & Martin Döltgen, beide LE; Fabian Generotzky, Director Operations; Erich Berg, Projektleiter und Kai Lienemann, IT

Harsewinkel – Arvato Supply Chain Solutions treibt die Automatisierung seiner Standorte weiter voran. Seit Kurzem übernimmt ein fahrerloses Transportsystem (FTS) alle bodenebenen Palettentransporte des Healthcare-Bereichs im Distributionszentrum Harsewinkel. Das System umfasst sechs automatisierte Flurförderzeuge von Jungheinrich, die sich frei im Raum bewegen können und um die 400 Paletten pro Tag zu ihrem jeweiligen Ziel bringen.

Aus Harsewinkel heraus erbringt Arvato unteranderem Logistikdienstleistungen für Kunden aus der Pharma- und Medizintechnikindustrie, 31.000 Quadratmeter stehen hierfür zur Verfügung. Um den steigenden internen Palettentransport zu entlasten, aber auch um dem Fachkräftemangel entgegen zu wirken, hat der Standort in sechs fahrerlose Transportfahrtzeuge investiert, die von dem Spezialisten Jungheinrich entwickelt worden sind. Dazu wurden im Sommer 2019 um die 300 Reflektoren an den Wänden und Regalen entlang der Transportwege angebracht. Sie dienen den Fahrzeugen als Navigationspunkte und werden von einem Laserscanner auf den Fahrzeugen erkannt. Dadurch kann das Fahrerlose Transportfahrzeug (FTF) mittels Triangulation bis auf zwei Millimeter genau navigieren.

Während der Implementierungsphase wurde die Steuerung der Fördertechnik erneuert, Bodenmarkierungen nach 5S-Standards angebracht und Drehplätze sowie Pufferregale auf der zentralen Bewegungsschiene aufgestellt, um Paletten automatisiert puffern zu können und Längs- als auch Quertransporte abzubilden. Abgerundet wird die neue Technik durch Systemschnittstellen zur Lagerverwaltungssoftware, zur Steuerung der Fördertechnik sowie durch die Einführung von FTS-spezifischen Scann-Dialogen. Bereits Anfang des Jahres wurden die Mitarbeiter des Wareneingangs, Warenausgangs und internen Transports über das Konzept sowie die entsprechenden Verhaltensregeln unterrichtet. Die sechs Fahrzeuge, die nach bekannten Superhelden wie Hulk, Batman oder Superman benannt worden sind, fahren alle Läger, den Wareneingang und Warenausgang sowie den Entsorgungsbereich zur Entleerung der Müllcontainer an.

Aus den von der Lagerverwaltungssoftware erzeugten Transportaufträgen werden Fahraufträge für das FTS generiert. Über die jeweiligen Von- und Nachlagerplätze werden die Quelle und die Senke für das automatische System erzeugt. Die FTF navigieren dabei eigenständig durch das Lager, öffnen Tore und setzen Palettenfördertechniken in Betrieb. „Durch die Schnittstellen zwischen dem FTS und der Lagerverwaltungssoftware sowie der Fördertechnik, hat jede Palettenbewegung ein Statusupgrade integriert. So können wir in Echtzeit nachverfolgen, wo sich eine Palette gerade befindet“, erläutert Erich Berg, leitender Projektmanager bei Arvato. Zusätzlich übernimmt das System Transporte für fertig gestellte Warenausgangspalletten. Die Lagerverwaltungssoftware überprüft, ob es für den Frachtführer schon eine Verladereihe gibt oder eröffnet eine neue Verladereihe und gibt diese der Steuerungssoftware vor.

„Wir können das System jederzeit auch manuell unterstützen. Per Leitrechner haben wir die Möglichkeit bestimmte Bereiche beziehungsweise Hallenabschnitte zu sperren, um den Mischverkehr zwischen den automatisierten und manuellen Hallen so gering wie möglich zu halten“, erklärt Matthias Anderson, aus dem Bereich Logistics Engineering. Ist ein Hindernis im Weg, bleibt das Fahrzeug sofort stehen, bis dieses beseitigt ist. Eine Anbindung an die Personenschutzanlage, an die Schnelllauftore sowie an die Brandschutztore und die Brandmeldeanlage ist ebenfalls vorhanden. Im Falle eines Alarms fährt das fahrerlose Transportsystem eigenständig aus dem Gefahrenbereich hinaus.  

Dank der leistungsfähigen Lithium-Ionen-Akkus können die Fahrzeuge bis zu acht Stunden unter Vollauslastung fahren, bevor sie aufgeladen werden müssen. Die Fahrzeuge fahren bei Betriebsschluss oder sobald alle Aufträge erledigt wurden, selbstständig an die Ladestationen zurück. Durch diese Zwischenladungen kann das System rund um die Uhr arbeiten, ohne spezifische Ladepausen einhalten zu müssen.

„Fahrerlose Transportsysteme sind das Herzstück einer automatisierten Intralogistik. Basierend auf praxiserprobten Standardflurförderzeugen, die um Automatisierungskomponenten ergänzt und von intelligenter Software gesteuert werden, erledigen sie wiederkehrende Transportaufgaben mit hohen Umschlagsmengen besonders sicher und effizient. Beim EKS 215a, welches bei Arvato im Einsatz ist, handelt es sich um ein Fahrerloses Transportfahrzeug auf Basis des Vertikalkommissionierers EKS. Der EKS 215a kann Lasten bis zu 1,5 t Gewicht transportieren und in Hubhöhen bis zu 6,0 m automatisiert einlagern. Das Fahrzeug erreicht dabei Höchstgeschwindigkeiten von bis zu 2,5 m/s. Bei Arvato fährt das Fahrzeug mit einer Geschwindigkeit von 1,7 m/s, die Hubhöhe beträgt 2,5 m. Durch den Wegfall des Fahrerstandes ist der EKS 215a auch in enger Umgebung besonders wendig. Die freitragenden Gabeln des EKS 215a ermöglichen den Transport von Sonderladungsträgern und geschlossenen Paletten sowie die Bedienung nichtunterfahrbarer Stationen“, so Dr. Markus Heinecker, Bereichsleiter Projektvertrieb bei Jungheinrich.

„Durch die Implementierung des Fahrerlosen Transportsystems, werden unsere Mitarbeiter optimal unterstützt, so Fabian Generotzky, Director Operations bei Arvato Supply Chain Solutions.  „Sie können sich wertschöpfenderen Tätigkeiten widmen und ihre Energie beispielsweise in die Bestückung der Reserveläger setzen, sodass Waren schneller ausgelagert werden können. Neben dem Innovationsaspekt, steigert sich auch die Qualität im Warehouse. Beschädigungen an Paletten werden minimiert, da das System millimetergenau arbeitet. Der Standort in Harsewinkel ist neben der VVA in Gütersloh und dem Arvato Logistikzentrum in Landsberg einer der Vorreiter in diesem Bereich. „Aufgrund der großen Integrationstiefe in die Prozesse und der damit verbundenen Komplexität, bin ich mir sicher, dass dieses Projekt als Paradebeispiel für den weiteren Ausbau der Automatisierung bei Arvato genutzt werden kann“, so Projektleiter Berg.

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