30. Mai 2022

Große Herausforderungen im Zollwesen durch internationale Sanktionen

Der Angriff Russlands auf die Ukraine hat auch massive Auswirkungen auf die Logistikbranche. Transporte auf dem Landweg sind sehr eingeschränkt worden. Ebenso laufen etliche Reedereien Häfen nicht mehr an und Lufträume sind gesperrt. Spürbare Auswirkungen auf den internationalen Warenverkehr haben aber auch die Sanktionsmaßnahmen, die als Folge des Angriffs von den westlichen Staaten gegen Russland verhängt worden sind. Sophia Stirm, Head of Solutions Customs & Trade und Maja Kuhnt, Head of Competence Center Customs & Trade bei Arvato Supply Chain Solutions erläutern die aktuelle Situation.

Maja Kuhnt, Head of Competence Center Customs & Trade
Sophia Stirm, Head of Solutions Customs & Trade
Welche Auswirkungen sind im internationalen Warenverkehr spürbar?

Die Transporte in und aus der Ukraine, Russland und Belarus sind massiv betroffen. So haben beispielsweise Carrier wie UPS und DHL ihre Sendungstransporte ausgesetzt. Was auf dem Landweg noch möglich ist, klären wir jeweils aktuell mit unserer Transportmanagement-Abteilung, vorrangig für medizinische Güter. Aktuell gibt es aber große Abfertigungsprobleme an den westukrainischen Grenzen. Auch nach Russland haben viele Carrier ihre Sendungstransporte bis auf weiteres eingestellt.

Erschwerend kommt hinzu, dass ein Verbot zur Ein- und Durchfuhr von Russischen oder Belarussischen Kraftfahrtunternehmen in der EU besteht. Das schränkt die Möglichkeit zur Lieferung in diese Länder noch weiter ein. Nach Informationen unserer Mitarbeiter in Russland sind anscheinend auch die Häfen und Flughäfen in Russland gesperrt.

Darüber hinaus gibt es Meldungen, dass aktuell auch Cyberattacken auf ukrainische, aber auch russische Speditionsunternehmen durchgeführt werden. Ich denke, hier zahlt es sich aus, dass wir extrem viel in unsere IT-Security investiert haben – nicht nur im Transportmanagement.

Welche Geschäfte sind betroffen?

Viele Firmen haben aus unternehmenspolitischen Gründen alle Lieferungen eingestellt oder sich ganz aus diesem Markt zurückgezogen. Das hat natürlich auch Auswirkungen auf unser Logistikgeschäft.

Wie stellt sich das genau dar – stapeln sich bereits Waren?

Es gibt keinen Rückstau von Warenlieferungen da sich unsere Kunden nun an die Situation angepasst und teilweise Ihre Lieferungen eingestellt haben. Bei einigen Kunden, die weiterhin liefern, erfolgt die Sendungsprüfung in enger Abstimmung mit den Kunden. Jede Sendungslieferung ist hier eine Einzelfallentscheidung. Auch bei der Carrierwahl muss sehr genau geschaut werden, da die größten Anbieter, die wir einsetzen, nicht mehr in die betreffenden Gebiete liefern und Russische oder Belarussische Kraftfahrtunternehmen nicht mehr in oder durch die EU fahren dürfen.

Wie konnten wir Kunden unterstützen?

Seit Inkrafttreten hat die Customs & Trade-Abteilung konstant und konsequent die neuen Sanktionen betrachtet und geprüft, inwieweit unsere Geschäfte und Kunden betroffen sind. Im engen Austausch mit den Kunden besprechen wir immer das weitere Vorgehen nach aktuellen Gegebenheiten. Durch unsere Expertise konnten wir die Auswirkungen bisher gut bewerten und haben für unser Team eine komprimierte Übersicht der zu beachtenden Sanktionen erstellt, welche konstant aktualisiert wird. Unsere Customs & Trade-Abteilung ist hochspezialisiert und kümmert sich im normalen Kunden- und Tagesgeschäft um sämtliche zollrelevante Themen und Außenhandelsangelegenheiten. Dazu gehört auch die Kontrolle von Außenhandels- und Compliance-Regelungen. Mit unserer Expertise konnten wir auch die neuen Verordnungen und Sanktionslisten sehr schnell ins System einpflegen und mit Bestellungen abgleichen. Das war zwar ein hoher Aufwand, der von den Kunden aber geschätzt wird, da wir Unternehmen so vor enormen Schäden bewahren. Für Kunden weltweit sind wir mittlerweile der Spezialist, der sich nicht nur in den beiden Themen Logistik und Zoll außergewöhnlich gut auskennt, sondern der vor allem auch kundenindividuell agieren kann. Gepaart mit unserer Erfahrung und dem Know-how, das wir uns in den Jahren erarbeitet haben, ist diese Kombination einmalig und macht uns für viele Unternehmen unentbehrlich. Daher können wir unsere Kunden auch bei allen weiteren Entwicklungen sehr gut beraten.

Was passiert bei Nichtbeachtung von Sanktionsregeln?

Verstöße gegen Außenwirtschaftsrecht stellen immer eine Straftat dar – mit erheblichen finanziellen Folgen bis hin zu Gefängnisstrafen. Darüber hinaus kann bei vorsätzlichem Handeln das jeweilige Unternehmen selbst auf eine Sanktionsliste gesetzt werden. Um dem entgegenzuwirken führen wir ein extrem starkes Monitoring durch, um unsere Kunden zu beraten und im schlimmsten Fall durch eine Selbstanzeige vor Strafen schützen zu können.

Wie werden die neuen Anforderungen umgesetzt?

Um die neuen Vorgaben und Anforderungen schnell umsetzen zu können, arbeiten alle Beteiligten eng zusammen – Customs & Trade, das Transportmanagement, das Account Management des jeweiligen Kunden sowie unsere IT. Wir haben weiterhin in unserer Zollsoftware vorsorglich eine Ländersperre für Russland, Belarus und die Ukraine eingesetzt, um dann Fall für Fall zu prüfen. Jede Sendung in diese Gebiete ist eine Einzelfallentscheidung und wird von unserem geschulten Trade-Personal genauestens auf Konformität mit den Sanktionen geprüft.

Wie werden die jeweils gültigen Informationen beschafft und aktualisiert?

Wir monitoren weiterhin die offiziellen Seiten der EU und halten uns an die dort veröffentlichten Amtsblätter.. Darüber hinaus arbeiten wir mit Beratungshäusern zusammen welche regelmäßig ein komprimiertes Update zu den aktuellen Entwicklungen geben.

Sie haben ein konkretes Anliegen? Sprechen Sie mich an!