Die digitale Versorgungskette

Wie Digitalisierung eine effizientere Vernetzung in der Logistik ermöglicht

Digitale Innovationen verändern die Versorgungskette zunehmend. Das nutzen auch immer mehr Pharma- und Medizintechnikhersteller, zum Beispiel um kurze Reaktionszeiten für lebensrettende Produkte sicherzustellen, die Vernetzung ihrer internationalen Logistikstandorte zu realisieren und neue Vertriebskanäle aufzubauen. 

„Die Zukunft liegt in agilen, effizienten, produktspezifischen und vor allem auf die Endkunden abgestimmten Lieferketten. Gleichzeitig wollen Pharma-und  Medizintechnikunternehmen eine länderübergreifend integrierte Supply Chain, auch in der Distribution“, weiß Dr. Thorsten Winkelmann, Geschäftsführer Healthcare - Arvato SCM Solutions, die aktuellen Bedürfnisse der Industrie zu deuten. Da gerade im Gesundheitswesen äußerst unterschiedliche Produkte distribuiert werden, muss auch die Versorgungskette im Hinblick auf Standortnetzwerke, Lagerung oder verschiedene Transportarten spezifisch ausgelegt sein. Hochpreisige, empfindliche Biopharmazeutika beispielsweise benötigen oft einen lückenlos gekühlten Transport. Medizintechnikprodukte wiederum erfordern oftmals eine Auslieferung als Gefahrgut, da sie beispielsweise hochentzündliche Lösungsmittel enthalten. Hinzu kommen unterschiedliche europäische Regularien. Die Lieferkette muss demnach für verschiedene Produktgruppen passend differenziert, aber dennoch ein integrierter Bestandteil der gesamten Supply Chain eines Unternehmens sein.

Ausbau des internationalen Netzwerks – länderübergreifend einheitliche Prozesse   

Für einen global agierenden Pharmakonzern aus Japan hat Arvato SCM Solutions die Pharmalogistik in die strategisch wichtigen Märkte Frankreich, Italien und Spanien erweitert und somit den Schritt von einem Zentrallager hin zu einem Lagernetzwerk praktisch umgesetzt. Mit den Logistikzentren vor Ort ist das Unternehmen nun deutlich näher am Kunden und kann gleichzeitig die gesetzlichen Vorgaben des jeweiligen Landes besser erfüllen – einige Gesetze schreiben beispielsweise eine 24-stündige Frist vor, innerhalb derer das Medikament den Empfänger erreichen muss.

Parallel zum Aufbau der dezentralen Lagerstruktur hat Arvato die Vernetzung der Bestell-, Logistik- und Finanzprozesse standortübergreifend vorangetrieben. Eine einheitliche Qualitätsorganisation sowie ein IT-System auf SAP-Basis garantieren uniforme Prozesse, Datensicherheit und Transparenz über alle Bestände sowie Auftrags- und Zahlungsströme in ganz Europa. Digitalisierung erleichtert hierbei vor allem die Integration diverser nationaler Order- und Cash-Systeme: „Eines der größten Potenziale ist sicherlich bei Bestellung, Rechnungstellung und Zahlungsabwicklung gegeben. Unsere langjährig bewährten Order-to-Cash-Lösungen sind für alle Distributionszentren verfügbar ­– inklusive E-Ordering und E-Invoicing“, weiß Christian Wolf, Executive Vice President bei Arvato SCM Solutions. Auch die Digitalisierung der QA-Prozesse, einschließlich des Schulungswesens mit MasterControl oder der Ausbau der Healthcare-Academy, hat die Internationalisierung des Geschäftsbereichs Healthcare stark gefördert. „Wir können unseren Kunden nun länderübergreifend einheitliche Prozesse anbieten“, so Thorsten Winkelmann. „Dazu trägt sicherlich auch die einheitliche Kollaborationsstruktur des internationalen Kundenmanagement-Teams bei.“ Durch einheitliche Systeme, Reportings oder Austauschplattformen wird die Kommunikation auf Management- und Projektmanagement-Ebene beschleunigt und optimiert. 

97 Prozent

von 100 führenden Entscheidungsträgern in der Healthcare-Industrie sehen Digitalisierung als Priorität

Der LogiPharma Report hat untersucht, inwiefern Digitalisierung eine Priorität für Pharma-Unternehmen ist.

Vollständige Transparenz für den Kunden – und dessen Kunden

Ganz offensichtlich ist der Nutzen der Digitalisierung die Erhöhung der Transparenz der Supply Chain. „Die Bedeutung und die Ausgestaltung nach entsprechenden Lösungen hängt zwar stark von der Branche ab, es ist aber klar erkennbar, dass das Generieren und Analysieren von Daten bei allen Prozessen an Bedeutung gewinnt“, so Winkelmann. Die Erwartungen der Kunden an Transparenz in der Lieferkette sowie eine zeitgenauen Lieferung ist natürlich im Healthcare-Bereich von besonderer Bedeutung. Das digitale Track & Trace sichert den lückenlosen Überblick über alle Pakete und Paletten. Sensoren, die an Paletten platziert werden, um kleinste Veränderungen der Umgebung zu registrieren, sind im Einsatz. Mithilfe einer belastbaren IT können Sendungen kontinuierlich verfolgt und somit auch frühzeitig auf Veränderungen in der Distribution, wie eine unvorhersehbare Lieferverzögerung, reagiert werden. „Einer der größten Vorteile der digitalen Versorgungskette ist die End-to-End-Sichtbarkeit entlang der kompletten Supply Chain“, freut sich Christian Wolf. „Transportmittel wie Flugzeuge oder LKWs lassen sich mit Track & Trace beinahe in Echtzeit verfolgen. Durch die Vernetzung aller Beteiligten und die Bereitstellung sämtlicher Daten auf Grundlage von Echtzeitanalysen ist eine vollständige Synchronisierung aller Abläufe möglich.“

Geschäftsaktivitäten mit Business Intelligence gestalten

Transparenz über das Zusammenspiel der Prozesse in der Lieferkette entsteht vor allem durch zwei Technologien: Business Intelligence (BI) und darauf aufbauend Predictive Analytics. Über das rein deskriptive Reporting von Waren-, Informations- und Geldflüssen sowie über die Performance dieser Prozesse hinaus geht es bei Predicitve Analytics darum, auf Basis von Datenmodellen Voraussagen über das Geschäft zu treffen. Beispielsweise lassen sich Bestellungen und Retouren von Endkunden besser analysieren, voraussagen und darauf aufbauend Nachschubprozesse und der Personaleinsatz im täglichen Geschäft optimieren. Schnelligkeit, Agilität und Kostenoptimierung sind das Ergebnis. Dies ist besonders im wachsenden E-Commerce immer wichtiger. Wer die Bedürfnisse des Kunden kennt, kann letztendlich die  Verkaufskanäle und die Logistik zielgerichteter fortentwickeln.

Sicherheit in der Medikamenten-Distribution mit Blockchain

Auch Blockchains haben großes Potenzial Logistikprozesse zu revolutionieren, insbesondere unter dem Aspekt der Sicherheit. Blockchain-Technik ermöglicht allen relevanten Akteuren der Lieferkette Datentransparenz und -zugriff. Alle neuen Daten werden mit den bereits vorhandenen Daten in der Blockchain verknüpft – Manipulationen und Änderungen sind quasi nicht möglich. „Besonders interessant sind Blockchains somit für die Arzneimittel-Distribution. Medikamente können vom Hersteller bis zum Patienten verfolgt werden. Die Technik kann helfen das Fälschungsrisiko zu minimieren und Patientenleben zu retten“, sagt Carsten Thiemt, Vice President Quality bei Arvato SCM Solutions. Die Bedeutung ist kaum hoch genug einzuschätzen: Laut einer Studie von Interpol sterben jährlich bis zu eine Million Menschen aufgrund von gefälschten Arzneimitteln.

Einsatz digitaler Technologien im Warehouse                                                                                                                                

Auch bei der logistischen Arbeit im Lager entsteht dank Digitalisierung neues Potenzial. Arvato SCM Solutions begleitet den Wandel von traditionellen physischen zu digitalen Wertschöpfungsketten seit einigen Jahren. In vielen Bereichen kommen digitale Technologien wie Virtual-Reality-Brillen oder Pick-by-Voice-Systeme bereits zum Einsatz, um die Lagereffizienz weiter zu steigern. Flexible Lagerautomatisierungstechniken wie fahrerlose Transportsysteme werden bei Arvato  im Healthcare-Bereich zukünftig Anwendung finden.

Die Digitalisierung bringt global vernetzte Supply Chains dabei auf ein neues Niveau. Der Ausbau der internationalen Standorte mit einheitlichen Prozessen sowie der Einsatz intelligenter Tools ermöglicht die Effizienz der Supply Chain weiter zu steigern und somit Patienten noch besser zu versorgen. 

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