Erfolgreiches Launch Management

Thomas Becker, Executive Vice President Hightech & Entertainment - Arvato Supply Chain Solutions

Ob Saisongeschäft, Produkteinführung oder Marketingkampagne – an den weltweiten Multi-User-Standorten des Geschäftsbereichs Hightech & Entertainment von Arvato Supply Chain Solutions herrscht immer irgendwo Hochbetrieb.

Welche Faktoren für ein erfolgreiches Peak-Management ausschlaggebend sind, erklärt Thomas Becker, Executive Vice President Hightech & Entertainment bei Arvato Supply Chain Solutions, im Interview.

Unsere Kunden bestätigen uns, dass wir in unseren Strukturen flexibler als andere Anbieter sind und oft das Unmögliche möglich machen.

Thomas Becker
Executive Vice President Hightech & Entertainment bei Arvato Supply Chain Solutions

1. Welche Peaks gibt es in der Hightech- und Entertainment-Industrie?

Neben den klassischen Bestellungen von Händlern oder Endkunden gibt es das Kampagnen-Geschäft und zahlreiche Produkteinführungen mit entsprechenden Werbemaßnahmen, bei denen die von uns zu verteilenden Volumina massiv steigen. Die Produkteinführung geht oft mit einer Push-Distribution einher, bei der sämtliche Vertriebskanäle – beispielsweise alle europäischen Händler – mit den Erstprodukten bestückt werden müssen. Kampagnen können sich dagegen auch auf bereits etablierte Produkte beziehen, die vom Marketing und Vertrieb sehr stark gepusht werden. Hier fallen dann Bundling-Aktivitäten oder Preisabschläge ins Gewicht, die dazu führen, dass ein Produkt auf einmal wieder sehr stark nachgefragt wird.

2. Welche besonderen Herausforderungen gibt es dabei?

Die Einführung neuer Produkte wie zum Beispiel FIFA 19 (mehr erfahren) kann sehr detailliert vorbereitet werden, weil wir frühzeitig vom Hersteller die erforderlichen Informationen bekommen und uns damit auf die Situation einstellen können. Da Marketing und Vertrieb allerdings sehr kreativ sind, haben wir nicht immer entsprechende Vorlaufzeiten, sondern müssen mitunter sehr spontan und flexibel agieren. Wie bei der letzten Fußball-WM, als einer unserer Kunden eine Marketingkampagne in England gestartet hat, bei der es in der Vorrunde für jedes Tor der ‚Three Lions‘ zehn Prozent Nachlass auf die Produkte geben sollte. Davon wussten wir nichts, bis auf einmal das 15-fache Bestellvolumen im Lager eintraf. Auch das haben wir hinbekommen, obwohl es eine echte Herausforderung war. Als Dienstleister haben wir uns auf diese Marktentwicklung aber eingestellt, die ja immer stärker in Richtung Kampagnen und Produkteinführungen geht. Von daher können wir Spitzen mit unserer Mannschaft deutlich besser abfedern, als wenn ein Kunde das selber machen würde. Eng wird es erst, wenn alle unsere Kunden zur selben Zeit neue Produkte launchen – schließlich konsolidieren wir mehrere Kunden unter einem Dach und arbeiten in einer sogenannten Multi-User-Umgebung.

3. Viele Launches erfolgen also vor Weihnachten und zum Black Friday?

Definitiv. Oder zu den Quartalsabschlüssen. Wir arbeiten ja auch für japanische Unternehmen, die haben ein ganz anderes Kalenderjahr. Da kommen mitunter zum Monatsende unglaubliche Volumen rein, die nicht immer angekündigt sind. Wenn das dann bei mehreren Kunden gleichzeitig der Fall ist, ist das eine Herausforderung – schließlich reden wir hier über Abweichungen von bis zu 1.000 Prozent.

4. Gibt es Möglichkeiten, kommende Peaks vorherzusagen?

Momentan treffen wir auf Basis von Vergangenheitswerten und aktuellen Informationen Prognosen, die dann mit unseren Kunden abgeglichen werden. Dabei stellen wir allerdings immer wieder fest, dass die tatsächlichen Mengen von den Forecasts abweichen und teilweise sogar doppelt so hoch sind, wie vom Kunden ursprünglich angenommen. Deshalb versuchen wir auch immer, uns ein eigenes Bild zu machen, um die Herausforderung dieser deutlichen Mehrvolumen zu minimieren. Um diese Aufgabe erfolgreich bewältigen zu können, brauchen wir neben der Fläche und den Arbeitsmitteln vor allem qualifizierte Mitarbeiter, die aufgrund der aktuellen Personalnachfrage im Markt allerdings nicht immer spontan verfügbar sind.  

5. Wie können wir uns unabhängiger vom Arbeitsmarkt machen?

Wir können die Automatisierung an unseren Standorten weiter vorantreiben, damit sich unsere Mitarbeiter künftig wertschöpfenderen Tätigkeiten widmen können. Wie beispielsweise in Landsberg, wo ein fahrerloses Transportsystem die Müllentsorgung übernimmt. Oder in Düren, wo ein Shuttlesystem die automatisierte Abwicklung der Kommissionierung, lieferbezogene Sortierung der Kartons sowie integrierte Umsetzung sämtlicher Kundenanforderungen sicherstellt. Das sind dann Automatisierungs-Maßnahmen, die keine Arbeitsplätze gefährden, sondern die Arbeit der Mitarbeiter erleichtern.

6. Was macht Arvato Supply Chain Solutions im Umgang mit Peaks so stark?

Zum einen stellen wir im Vorfeld viele Fragen und versuchen, an alles zu denken, um die Kunden mit unserer langjährigen Erfahrung bereits in der Vorbereitungsphase optimal zu unterstützen. Zum anderen sind wir sehr flexibel – sowohl bei den Ressourcen im Management als auch bei den operativen Geschäften. Unsere Kunden bestätigen uns, dass wir flexibler sind als andere Anbieter und oft das Unmögliche möglich machen. Wir organisieren zum Beispiel auch Direktfahrten, wenn sich mal ein Prozess verspätet und die Kunden sich nicht an ihre ursprünglichen Pläne halten können.

7. Was ist beim Launch neuer Produkte für den Kunden wichtig?

Also erstmal muss alles zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein. Da die  Marketingkampagnen genau getimed sind, muss selbst ein Film, der auf DVD erscheint, zum Stichtag bei allen Retailern in der richtigen Version vorliegen. Darüber hinaus werden Value-Added-Services wie Bundles, Aufkleber-Aktionen oder klassische Promotions immer stärker nachgefragt. Das bedeutet, dass wir die Produkte veredeln, anstatt sie einfach nur zu verschicken. Und je hochwertiger die Produkte sind, umso mehr spielen auch Vertraulichkeit und Sicherheit eine Rolle. Deshalb haben wir hohe Sicherheitsstandards sowie Vorkontrollen und nehmen das Thema Sicherheit wirklich sehr ernst.