Omnichannel in der Telekommunikation

Unser Experte

David Engel

Head of Business Development
Telecommunication
Arvato Supply Chain Solutions

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Experteninterview

Digitale Transformation und Omnichannel in der Telekommunikationsbranche

Die rasante technische Entwicklung hat den Telekommunikationssektor innerhalb weniger Jahre komplett verändert und verändert ihn immer noch. Es entstehen neue Produkte oder Geschäftsmodelle, die auch die Absatzstrategie beeinflussen und alternative Distributionsmodelle möglich machen.

1. Ihr Schwerpunktgeschäft ist Telekommunikation. Die Branche macht ja gerade große Veränderungen durch. Können Sie uns erklären, wie sich das Geschäft wandelt?

Der Markt, der über Jahre von wenigen großen Telekommunikationsanbietern mit hohem Volumenaufkommen dominiert wurde, ist heute durch den Markteintritt neuer Wettbewerber viel fragmentierter. So sind die Geschäftsmodelle der großen Anbieter, die sich im Wesentlichen auf den Verkauf von Tarifen, Geräten, SIM-Karten und Zubehör konzentrierten, inzwischen von zahlreichen anderen Anbietern beispielsweise aus dem Retailbereich adaptiert worden. Darüber hinaus verknüpfen diese ihre Angebote immer stärker mit attraktiven Inhalten. Wie bei den Streaming-Diensten im Wettbewerb ist der Internet-Tarif dann beliebig und nur noch Mittel zum Zweck. Um hier gegenhalten zu können, setzen die Telekommunikationsanbieter ebenfalls auf Inhalte. Zudem prüfen sie aktuell neue Partnerschaftsmodelle mit Start-Ups und konzentrieren sich auf IoT-Anwendungen im Automotive-Sektor oder Smart Devices in anderen Industrien. Damit ändert sich auch für Arvato das Dienstleistungsmodell. Neben unterschiedlichen Hardware-Varianten kommen neue digitale Dienstleistungsformate und Absatzkanäle hinzu. Als ein Beispiel kann die eSIM genannt werden.

2. Gutes Stichwort. Welche Möglichkeiten ergeben sich durch eSIM für die Stakeholder?

Die eSIM bzw. embedded SIM als fester Bestandteil der Platine wird in den kommenden zehn bis fünfzehn Jahren die Konnektivität mittels heute üblicher SIM-Karten ersetzen. Bisher werden sie vor allem im vernetzten Auto und in kleiner Stückzahl in Wearables eingesetzt. Für den Verbraucher heißt das: Die herkömmliche Vertragsbindung wird aufgehoben, er hat mehr Auswahlfreiheit und kann künftig wesentlich flexibler agieren. Für die Telekommunikationsbranche bedeutet dies: Mit der steigenden Verbreitung auch im Smartphone wird sich dann allerdings auch das Volumen von heute mit rund 135 Millionen SIM-Karten in Deutschland schrittweise verringern. Mit Abnahme der physischen Logistik ergeben sich aber durchaus neue Geschäftsmodelle rund um die digitale Distribution von eSIMs, beispielsweise beim Enabling neuer Dienste, welche die eSIM möglich macht.

Eine ähnliche Entwicklung hat Arvato bereits im Segment Hightech und Entertainment begleitet, als die physische Distribution von Computer-Betriebssystemen auf CD durch Downloads substituiert wurde und der Digital Commerce Einzug hielt.

3. Was bedeutet das für die Absatzstrategie?

Aktuell steht der Verkauf über die örtlichen Shops im Vordergrund. Mit dem zunehmenden digitalen Leistungsangebot und der steigenden Produktvielfalt gewinnen auch neue Absatzkanäle an Bedeutung. Der digitale Vertrieb wird ansteigen. Ferner, glaube ich, dass es nicht mehr den Point of Sale geben wird, sondern mehrere, die in gewisser Art und Weise ineinanderfließen werden, denn digitale und analoge Produkte werden in Zukunft zunehmend getrennt voreinander gekauft. Die intelligente Vernetzung der Kanäle spielt dabei eine ebenfalls große Rolle, um den Kunden und sein Verhalten zu verstehen und dieses Wissen anschließend gewinnbringend in den eigenen Prozessen einzusetzen.

4. Wie unterstützen Sie Unternehmen bei ihrer digitalen Transformation?

Ich sehe Arvato in der Rolle des Digital Change Agent. Wir sind erfahren in der Transformation. Hinzu kommt, dass wir über Expertise in den unterschiedlichsten Branchen verfügen. Dieses Know-how können wir übertragen und so gewinnbringend in neue Geschäftsmodelle und Lösungen für unsere Kunden einfließen lassen. Um ein konkretes Beispiel zu nennen: Wir arbeiten seit vielen Jahrzehnten für die Automobilindustrie und setzen auch Projekte im Bereich Konnektivität im Fahrzeug um. Das ist überaus interessant für Klienten aus dem Telekommunikationssektor, die gerade Partnerschaftsmodelle mit der Automobilindustrie sondieren. Hier eröffnen sich neue Möglichkeiten. Den Blick über den brancheneigenen Tellerrand zu wagen und in den Austausch zu gehen, empfehle ich in der gegenwärtigen Situation definitiv.

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