Polen: Hotspot für E-Commerce-Logistik

Der Trend zum Online-Handel wurde durch die Corona-Pandemie mit Lockdowns und temporären Schließungen von stationären Einzelhandelsgeschäften noch einmal stark angeheizt. Vor allem Polen hat von dieser Entwicklung ein stückweit profitiert, denn das Land bietet mit einem großen Angebot an Lagerflächen, ausreichender Personalverfügbarkeit und einer guten Verkehrsinfrastruktur alle Voraussetzungen für E-Commerce-Händler, um von dort aus die nationalen, west- und osteuropäischen Märkte schnell zu beliefern. "Zahlreiche Modeunternehmen nutzen Polen für ihr Online-Geschäft. Vor allem Westpolen bietet kurze Lieferzeiten nach Deutschland und in die Nachbarländer", sagt Lidia Ratajczak-Kluck, Managing Director von Arvato Supply Chain Solutions in Polen. Kein Wunder, dass gerade in Polen das Wachstum von Arvato Supply Chain Solutions beachtlich ist in den letzten zwei Jahren eine Vielzahl von Neukunden implementieren wurden.

 

Lidia Ratajczak-Kluck - Managing Director bei Arvato Supply Chain Solutions in Polen

Mit dem Aufschwung des E-Commerce-Geschäfts wurde auch die dafür notwendige Logistik und das Fulfillment zunehmend an spezialisierte Dienstleister wie Arvato Supply Chain Solutions übertragen. In Polen sind wir seit 1994 aktiv und wickeln seit 2014 schwerpunktmäßig das Online-Geschäft für namhafte große Hersteller und Händler aus den Bereichen Mode, Beauty und Kosmetik ab. Dazu betreiben wir mittlerweile insgesamt sechzehn Logistikzentren in den Regionen Poznań, Warschau und Łódź, in denen über 2.200 Mitarbeiter auf mehr als 400.000 Quadratmetern Lagerfläche arbeiten. Es ist nicht zu erwarten, dass der Trend zum Online-Shopping in Zukunft abnimmt. Im Gegenteil, denn die Online-Verkäufe haben nicht abgenommen und sind nach dem Ende der letzten Schließung und der Wiedereröffnung der Einkaufszentren sogar noch weiter gewachsen.

Verschiedene Ansätze im Online-Handel

Wenn es um Lieferketten für den Online-Handel geht, verfolgen die Modeunternehmen unterschiedliche Ansätze. Während die einen ihre traditionellen Lieferanten nutzen, setzen andere auf spezialisierte E-Commerce-Dienstleister - vor allem, wenn neue Strukturen schnell aufgebaut werden müssen. Arvato beispielsweise ist in der Lage, E-Commerce-Lieferketten in nur drei Monaten aufzubauen, wenn der Kunde bereit ist, Standardlösungen zu nutzen. Für individuellere Lösungen muss in der Regel eine Implementierungszeit von sechs bis zwölf Monaten kalkuliert werden. Darüber hinaus gibt es derzeit Lieferengpässe und Wartelisten für die Installation der erforderlichen technischen Ausrüstung, sei es Fördertechnik oder Automatisierungstechnik.

Auch wenn die Automatisierungstechnik den Bedarf an Arbeitskräften reduziert, besteht weiterhin die Notwendigkeit, den Personalbestand flexibel anzupassen, um hohe Volumina in Spitzenzeiten wie z.B. am Black Friday bewältigen zu können. In dieser Hinsicht bietet Polen mit seinem großen Angebot an Arbeitskräften Vorteile. Die lokalen Personalvermittlungsagenturen sind gut organisiert, und es gibt keine Probleme, eine Arbeitserlaubnis zu erhalten. "In der E-Commerce-Logistik muss man in der Lage sein, die Zahl der Mitarbeiter schnell zu erhöhen", unterstreicht Ratajczak-Kluck.

Neben dem klaren Trend zum Online-Handel zeichnet sich eine weitere Entwicklung ab: So hat Corona in der Modebranche - und nicht nur dort - für Lieferverzögerungen von Produktionsstätten in Asien nach Europa gesorgt. Dies hat viele Kunden von Arvato dazu veranlasst, Produktions- und Lieferstandorte in der Nähe ihres Heimatlandes zu nutzen, um ihre globalen Lieferketten in Zukunft belastbarer zu machen. Im Fokus stehen derzeit zum Beispiel Produktionsstandorte in Polen, der Türkei und Nordafrika. Ein Teil der Produktion ist sogar nach Italien und Spanien zurückgekehrt. Analysten gehen jedoch davon aus, dass der Prozess des Wiederaufbaus der europäischen Produktion bis mindestens 2025 andauern wird.

 

Vorteile der Dezentralisierung

Außerdem haben die Unternehmen die Vorteile erkannt, einen Teil ihrer Produktion in der Nähe zu haben, um auf schnelle Marktveränderungen reagieren zu können. Es ist unwahrscheinlich, dass sie die Produktion in absehbarer Zeit vollständig nach Asien zurückverlagern werden, vor allem jetzt, wo das Thema Nachhaltigkeit immer mehr in den Mittelpunkt rückt. Vor allem die Verbraucher wissen es zu schätzen, wenn die Produktion vor Ort erfolgt und die CO2-Emissionen von Langstreckentransporten vermieden werden. Nahe gelegene Produktionsstandorte sind auch ideal für das heutige "Fast Fashion"-Modell der Modeindustrie mit extrem kurzen Vorlaufzeiten zwischen Design und Produktion. Wenn man, wie in der Vergangenheit, sechs Monate auf eine Kollektion warten muss, ist das Design bereits veraltet, bevor es in die Läden kommt. Nicht zuletzt durch die sozialen Medien ist die Erwartung entstanden, dass neue Kollektionen sofort nach ihrer Präsentation in den Geschäften gekauft werden können.