Logistik als zentraler Wettbewerbsfaktor

Interview mit Marcus Karten, Vice President Global Business Development

Für Händler und Hersteller ist die Logistik ein zentraler Erfolgsfaktor im Online-Handel. Teilen Sie diese Meinung?

In den letzten Jahren sind die Erwartungen der Kunden an die Lieferqualität im E-Commerce enorm gestiegen. Sowohl für Marktplatzbetreiber als auch für Hersteller ist das Fulfillment im Hinblick auf die Kundenzufriedenheit und somit für ihren Erfolg essentiell. Insbesondere vor dem Hintergrund der Internationalisierung der Geschäfte müssen alle Teile der Lieferkette reibungslos ineinandergreifen, um dem Kunden eine umfassende Customer Journey zu ermöglichen – vom ersten Kontakt zum Kauf bis hin zum Retourenprozess und das grenzüberschreitend. Ja, deshalb ist dabei ein durchdachtes und professionelles Logistik-Konzept ein zentraler Erfolgsfaktor.

Marcus Karten

Für Unternehmen stellt sich auch hinsichtlich des Logistik-Fulfillments die „Make or Buy“-Frage. Warum ist das Outsourcing aus Ihrer Sicht die bessere Lösung?

Eine ‚Make or Buy‘-Entscheidung ist von vielen Parametern abhängig. Bei geringer Komplexität hinsichtlich Prozessen und Schnittstellen, hohen Versandvolumen und geringen Mengenschwankungen kann ein eigener dedizierter Lager-Standort durchaus wirtschaftlich betrieben werden. Gerade im E-Commerce ist die Komplexität jedoch hoch und lässt sich eigenständig nur schwer bewältigen. Gleichzeitig fehlen gerade in den ersten Jahren oft die Versandmengen, um die Logistik wirtschaftlich betreiben zu können. Skaleneffekte lassen sich meist nur in Multi-Klienten Standorten eines erfahrenen Logistikdienstleisters erzielen, der verschiedene Kundenanforderungen mit einem zentralen System erfüllen kann.

Während sich in den letzten Jahren immer wieder Unternehmen noch bewusst für eine Inhouse-Lösung entschieden haben, gibt es auch durch die Veränderungen im Markt zunehmend mehr Gründe, die für ein Outsourcing sprechen. Neue Länder und neue Kanäle (z.B. Marktplätze) sollen aufgeschaltet werden. Das steigert die Komplexität weiter. Personal ist zunehmend schwieriger zu finden. Und auch die Verfügbarkeit von Logistikflächen stellt einen wachsenden Engpass dar. Für die Endkundenlogistik müssen eine Vielzahl an Anforderungen hinsichtlich IT-Strukturen, Service Level, Order to Cash-, Carrier- und Retouren-Management berücksichtigt werden, um nur einige zu nennen. 

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass eine wirtschaftliche E-Commerce-Logistik für Hersteller und Händler alles andere als trivial ist. Je mehr Marktplätze ein Unternehmen anschließt und je internationaler das Geschäft wird, desto komplizierter wird es. Gute Gründe für ein Outsourcing.

Nur die aktive Steuerung des Geschäfts mit der notwendigen Expertise führt dazu, dass die Kostenstrukturen im Griff bleiben - und die Kunden zufrieden.

Marcus Karten, Vice President Global Business Development

Viele Unternehmen wollen die Chancen des weiter wachsenden E-Commerce auf Marktplätzen nutzen. Sie sprechen von IT-Strukturen als einer Voraussetzung dafür. Was heißt das genau und wie gehen Sie damit um?

Beim Verkauf über Marktplätze müssen eine Vielzahl von Systemen verbunden werden und Daten austauschen. Artikeldaten müssen auf Marktplätzen bereitgestellt werden. Auftragsdaten müssen von Marktplätzen an Logistik- und Finanz-Systeme übertragen werden. Für die IT-technische Anbindung der Marktplätze können Integrations-Partner (Connectoren) genutzt werden. Wir bei Arvato Supply Chain Solutions haben bereits mehrere dieser ´Marktplatz-Integrations-Plattformen´ in unserem Logistik-System integriert, so dass alle wichtigen Marktplätze logistisch angebunden sind. Implementierungs-Aufwände können reduziert werden und eine unkomplizierte Aufschaltung weiterer Marktplätze und Länder ist möglich. Natürlich wissen wir, dass wir nicht auf „der grünen Wiese“ agieren. Wir sind sehr erfahren bei der Transformation bestehender Kunden-Strukturen mit dem Ziel der idealen IT-Infrastruktur. Wir kombinieren zudem mit unserer digitalen Einheit, Arvato SCS | DIGITAL, die Entwicklung digitaler Angebote für Klienten und deren Endkunden sowie die Implementierung digitaler Lösungen entlang der logistischen Wertschöpfungskette. Aus unserer Sicht die ideale Verzahnung von industrie-spezifischem Know-how und vorhandener IT- und Digitalexpertise.

Vom Zentrallager- und Crossborder-Ansatz bis hin zu dezentralen Warehouse-Lösungen – welche Empfehlung geben Sie?

Letztlich gibt es keine Empfehlung für die ein oder andere Lösung. In enger Abstimmung mit unseren Kunden bieten wir alle Fulfillment- und Transport-Konzepte an und setzen sie bei entsprechendem Wachstum schrittweise um.

Das sogenannte Cross-Border-Fulfillment ist in der Regel der erste Schritt in der Zusammenarbeit. Dabei werden die Artikel aus einem zentralen Lagerstandort in eine Vielzahl verschiedener Länder versendet. Der Transport erfolgt oft über die üblichen internationalen Express-Dienstleister. Unsere zentralen Fulfillment Center, bspw. in den Niederlanden, Deutschland oder Polen sind sehr gut an die großen Paket-Verteilzentren wie DHL, UPS, DPD, Hermes usw. angebunden. Dies ermöglicht Flexibilität in der Carrierauswahl und ein Großteil der Endkunden in Europa kann innerhalb von 24-72h erreicht werden.

Darüber hinaus bieten wir unseren Kunden Konsolidierungseffekte mit unserem Europäischen ‚Line-Haul-Netzwerk‘. Dabei werden tägliche Paketmengen aus mehreren zentralen Lagerstandorten gebündelt. Diese konsolidierten Mengen werden über Nacht in die europäischen Länder transportiert und dort in die lokalen Paket-Netzwerke eingespeist. Neben der besseren Akzeptanz lokaler Paketdienste beim Endkunden, ergeben sich bei ausreichender Sendungsmenge oft auch Kostenvorteile gegenüber den internationalen Express-Dienstleistern.

Wachsen die Marktplatz-Mengen weiter, bieten sich zusätzliche Satelliten-Läger in bestimmten Ländern an, anstatt cross-border über Landesgrenzen zu versenden. Insbesondere für Großbritannien ist ein lokales Lager oft sinnvoll.

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Logistik als Wettbewerbsfaktor für Marktplätze und Anbieter

Bei den meisten Marktplatz-Ansätzen ist die Fulfillment-Qualität der Partner eine Art Blackbox. Auf Liefergeschwindigkeit und Lieferqualität haben die Marktplätze wenig bis gar keinen  Einfluss.

Marktplätze sind jedoch in den Augen der Kunden für Liefergeschwindigkeit und Lieferqualität verantwortlich und sind erster Ansprechpartner bei Beschwerden, sollte bei der Zustellung mal  etwas schief gehen. Daher ist eine möglichst weitgehende Kontrolle über die Marktplatz-Logistik angeraten. 

Weitere umfassende Einblicke in die Erfolgsfaktoren von Online-Marktplätzen bekommen Sie in der aktuellen Studie "Die Marktplatzwelt 2022".

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Alexandra Jahn

Alexandra Jahn

Global Business Development