Interview Fabian Generotzky

"Standardisierung zahlt sich aus"

​​​​​​Fabian Generotzky ist Director Operations am Standort Harsewinkel. An diesem Multi-Client-Standort kann er in seiner Funktion die Aktivitäten für verschiedene Kunden aus unterschiedlichen Industiren überblicken und bereichsübergreifende Prozesse. besonders gut einschätzen.

Wir haben mit ihm darüber gesprochen, wie die Pandemie die Prozesse inbesondere im Bereich Healthcare beeinflusst.

Durch die Corona-Pandemie steigen aktuell in einigen Industrien signifikant an. In welchem Ausmaß nehmen wir speziell in eurem Bereich Anstiege wahr?

Im Geschäftsbereich Healthcare sehen wir ein stark diversifiziertes Bild bezüglich der Volumen im Bereich. Im Bereich der pharmazeutischen Auslieferung erleben wir derzeit einen signifikanten Mengenanstieg. Das betrifft sowohl den Generikamarkt, den wir von unserem Standort in Landsberg bedienen, sowie das Pharma- und Biopharmageschäft, welches unter anderem aus Harsewinkel ausgeliefert wird.

Innerhalb der Medizintechnik ist die Lage ebenfalls differenziert. Bei allen Artikeln, die im Krankenhaus benötigt werden um Operationen durchzuführen, gehen die Auslieferungsmengen zurück. Besonders sehen wir das bei Kunden für Intraokularlinsen und Kunden mit Endoskopen, bzw. Endoskopiezubehör. Geplante bzw. planbare Operationen werden aktuell verschoben, um Ressourcen im Gesundheitssystem für potentielle Corona-Fälle frei zu halten. Da es sich im Normalfall aber trotzdem um medizinisch notwendige Eingriffe handelt, erwarten wir die bisher bekannten Volumen, sobald die Lage sich normalisiert hat.

Mit deutliche höheren Medizintechnik-Mengen haben wir es dagegen in Bereichen zu tun, aus denen wir Schutzbekleidung und Verbrauchsmaterial für die stationäre Patientenversorgung ausliefern. Dies betrifft hauptsächlich unser Geschäft in den Niederlanden.

Eine Sonderstellung hat noch der Bereich E-Commerce, bei dem Produkte direkt an den Endverbraucher / Patienten verschickt werden. Unter anderem werden zum Beispiel Kontaktlinsen im Onlineversand für eine große Optikerkette aus dem Standort in Bad Laer versendet. Da die Optikerkette alle Filialen aufgrund der Coronakrise schließen musste, wurden alle Kunden informiert, dass sie ihre Kontaktlinsen im Onlineshop bestellen können. Aus dieser Verschiebung vom lokalen Händler zum Onlineshop, haben wir einen massiven Mengenanstieg in diesem Bereich zu verzeichnen.

 

Welche Maßnahmen treffen wir, um die höheren Volumen zu bewältigen?

Dadurch, dass wir beide Effekte erleben, den des Mengenanstiegs- und des Mengenrückgangs, haben wir die Möglichkeit, das eigene Personal zwischen den Bereichen zu verschieben. Aufgrund der gesetzlichen Vorgaben, denen wir unterliegen, um Medikamente versenden zu dürfen, haben wir verhältnismäßig hohe Aufwände um neue Mitarbeiter einzusetzen. Hier zeigt sich einmal mehr, wie wichtig standardisierte Prozesse sind, um die nötige Flexibilität zwischen den Geschäften zu gewährleisten. Standardisierung gehört übrigens seit mehreren Jahren zu unseren Key Strategic Projects, dessen Mehrwert sich aktuell auszahlt.

Zur Flexibilität gehört auch, dass Mitarbeiter in mehreren Bereichen/Geschäften eingelernt sind. So können wir Healthcare Mitarbeiter aus einfacheren Prozessen in komplexere Geschäfte verschieben, um externes Personal schneller integrieren zu können, ohne einen Produktivitätsverlust zu erleiden.

Die Personalverschiebung passiert auch über Standorte hinweg. So gibt es viele Kollegen aus Harsewinkel, die derzeit dabei helfen das E-Commerce Business in Bad Laer zu stemmen.

 

Operiert jeder Geschäftsbereich für sich, oder gibt es auch bereichsübergreifende Kooperationen?

Der Standort in Harsewinkel ist eine Multi-User-Site über zwei Geschäftsbereiche hinweg. Neben der Healthcareindustrie befinden sich auch die logistischen Geschäfte des Bereichs Corporate Information Management (CIM) am Campus.  Es gibt Zentralfunktionen, wie zum Beispiel den Warenausgang, die für beide Industrien arbeiten, in diesem Beispiel aber dem CIM-Bereich zugeordnet sind.

CIM hat infolge des Shutdowns einiger Kunden einen deutlichen Mengeneinbruch erlitten, so dass für diesen Bereich Kurzarbeit angemeldet werden musste. Um die Zentralfunktionen weiterhin stabil zu halten, wurden diese organisatorisch kurzfristig an den Healthcarebereich gehängt, um sie aus der Kurzarbeit einfacher rausnehmen zu können.

Weiterhin wurden Mitarbeiter aus den Kommissionierbereichen von CIM an Healthcare "ausgeliehen", um das erhöhte Healthcarevolumen abarbeiten zu können.

 

Gibt es einen Forecast, wie lange die Volumen noch so hoch sein werden, bzw. wann könnte sich die Lage normalisieren?

Die Lage ist schwer abschätzbar. Es hängt wesentlich davon ab, wie sich die Maßnahmen in Deutschland und auch international weiter entwickeln. Wir erwarten eine zweite Welle mit hohen Volumen, wenn die aktuell verschobenen Operationen nachgeholt werden.