Chancen für den, der gut aufgestellt ist

Der Brexit hat Konsequenzen für die Logistik, bietet aber Chancen für den, der gut aufgestellt ist. Sonja Holz ist als Director Customs & Trade bei Arvato Supply Chain Solutions in der aktuellen Situation jeden Tag mit dem Brexit beschäftigt. Wir haben ihr einige der wichtigsten Fragen rund um den Austritt Großbritanniens aus der EU gestellt.

 

1. Frau Holz, Hand aufs Herz: Glauben Sie noch an einen vertraglich geregelten Brexit?

Nein, nach heutigem Verhandlungsstand rechnen wir bei Arvato Supply Chain Solutions mit einem „No-Deal-Brexit“. Viele der heute strittigen Punkte wären damit auch nach dem Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union noch offen und müssten später geregelt werden. Wir konzentrieren uns daher voll darauf, unsere vertraglichen Verpflichtungen gegenüber unseren Kunden auch in Zukunft zu erfüllen - und zwar in der gleichen Qualität und mit demselben Engagement wie bisher. Ich bin zuversichtlich, dass uns dies auch zumeist gelingen wird. Schließlich haben wir die letzten Monate intensiv genutzt und uns gut auf den Tag X vorbereitet.  

2. Mehr Bürokratie, erhebliche Verzögerungen und höhere Kosten – für viele Unternehmen bedeutet ein ungeregelter Brexit eine enorme Herausforderung. Wo sehen Sie derzeit die größten Schwierigkeiten?

In der sehr international ausgerichteten Logistik- und Transportbranche haben wir es schon heute mit ausgesprochen komplexen Prozessen und Produkten zu tun, die meist eng mit anderen Wirtschaftszweigen vernetzt sind. Diese Situation wird sich nach einem harten Brexit weiter verschärfen, da wir dann anstelle von Gesetzen und Verfahren mit Notfallplänen arbeiten werden, die von den politisch Verantwortlichen häufig mit der heißen Nadel gestrickt sind. Notwendige Regelungen müssen – zumindest am Anfang – auf Basis von Annahmen getroffen werden. Damit steigt die Komplexität weiter an und mit ihr die Gefahr, dass wir zumindest in bestimmten Bereichen chaotische Verhältnisse vorfinden werden.

3. Wie können die damit verbundenen Risiken minimiert werden?

Indem wir nicht nur die Verhandlungen zwischen der EU und Großbritannien im Blick haben, sondern die Situation ganzheitlich betrachten, d.h. sowohl die Export- als auch die Import-Seite. Während viele Unternehmen noch abwarten, wie sich die Situation entwickeln wird, schauen wir beispielsweise schon heute bei Reseller-Geschäften die Bestimmungen im Drittland an und verifizieren die Sekundärgesetzgebungen. Welche Standards müssen in Russland erfüllt werden, wie sind die Zollbestimmungen in der Schweiz, welche Behörden oder Verwaltungsorgane sind in China zuständig? Diese vorausschauende Strategie verschafft uns einen wichtigen Informationsvorsprung gegenüber dem Wettbewerb, den wir zum Nutzen unserer Kunden einsetzen können

4. Gibt es bei einem ungeregelten Brexit überhaupt etwas Positives?

Beim Brexit wird es vor allem Verlierer geben, aber tatsächlich auch einige Gewinner. Dazu dürften unter anderem die Logistiker zählen, die neben der Expertise in ihrem Kerngeschäft auch Know-how in Zollangelegenheiten besitzen. Wenn es gelingt, dieses kombinierte Wissen zum Nutzen der Kunden einsetzen, kann dies ein großer Vorteil sein. Schließlich müssen Waren und Güter nicht nur bis zur Grenze, sondern auch darüber hinaus transportiert werden. Was nutzt die beste Logistikleistung, wenn die Sendung wegen der Nichtbeachtung von Zollgesetzen an der Grenze stehen bleibt? Kompetenz in internationalen Transportangelegenheiten ist daher eine ausgezeichnete Basis, aber ein internationales Zollnetzwerk ist genauso wichtig. In beiden Bereichen sind wir bei Arvato Supply Chain Solutions sehr gut aufgestellt. Darum können sich unsere Kunden bei uns auch sehr gut aufgehoben fühlen.   

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